• NorbSoftDev: Scourge of War - Chancellorsville REVIEW

    Nachdem Tribun erst vor kurzem das bereits knapp zwei Jahre alte "Scourge of War - Gettyburg" einem Test unterzogen hatte, nutzte ich sogleich das Erscheinen des brandneuen und mittlerweile dritten Add-Ons "Chancellorsville", um ein weiteres Review nachzureichen. Die Schlacht bei Chancellorsville fand vom 1. bis 4. Mai 1863 im Raum zwischen dem Gehöft Chancellorsville etwa 16 Kilometer westlich und in der Kleinstadt Fredericksburg, Virginia während des Amerikanischen Bürgerkrieges statt.
    Sie wurde auch Lees perfekte Schlacht genannt, wegen dessen riskanter, aber erfolgreicher Teilung der Nord-Virginia-Armee unter den Augen der mehr als doppelt so starken Potomac-Armee unter Generalmajor „Fighting Joe“ Hooker. Die Schlacht war geprägt durch Lees Kühnheit und Hookers Zaghaftigkeit. Beides zusammen führte zu einem überwältigenden Sieg der Konföderierten. Der Sieg wurde einzig durch die tödliche Verwundung Generalleutnant Jacksons getrübt (Quelle Wikipedia: Schlacht bei Chancellorsville).

    Geschichtshistoriker sind sich heute nahezu einig in der Meinung, dass ohne das Ableben des Konföderierten Generals Thomas J. "Stonewall" Jackson, die anschliessende Schlacht bei Gettysburg so nicht statt gefunden oder zumindest nicht so desaströs für die Südstaaten verlaufen wäre. Dementsprechend steht bei dem neuen Add-On der Einsatz von Jacksons Korps im Mittelpunkt.

    Vorab darf ich gleich feststellen, dass es sich bei "SoW - Chancellorsville" um eine stand-alone Erweiterung handelt. Man benötigt also nicht das Erstlingswerk "Gettysburg" um die Erweiterung zu spielen. Eine gute Möglichkeit, für relativ kleines Geld einen Blick in die Serie zu werfen. Sofern man Gettysburg bereits auf der Festplatte hat, installiert sich das Add-On in die vorhandene Spieldatei und lässt sich über die Gettyburg Szenarienauswahl starten. Etwas enttäuscht war ich als ich feststellen musste, dass es für die "Chancellorsville" Schlachten keine schicke Szenarienkarte gibt wie für "Gettysburg". Die einzelnen Szenarien des Add-Ons sind lediglich als schnöde Auflistung zugänglich. Bei Gettysburg hatte man ständig den Ansporn seinen besten Punktestand der einzelnen Schlachten noch zu verbessern, da diese unter der Flagge der beiden Kriegsparteien auf der Kampagnenkarte angezeigt war. Beim Add-On wurde dies eingespart. Schade.



    Neben den sehr umfassenden Tutorials stehen insgesamt 20 Szenarien (Je zehn für die Union und für die Konföderierten) zur Verfügung, die jeweils Teilaspekte der Schlacht abdecken. Kleinere Gefechte werden zwischen Brigaden ausgetragen, die bis zu fünf Regimenter umfassen können. Ein solches Szenario hat in der Regel eine Zeitbegrenzung von 45 bis 60 Minuten (Echtzeit). Umfangreicher wird es, wenn der Spieler eine Division zu führen hat. Dann können es schon mal 20 Einheiten sein, die es zu steuern gilt. Herzstück des Add-Ons sind die Schlachten auf Korpsebene, die einiges an Spielerfahrung benötigen und eine Spielzeit von zwei Stunden umfassen. Das kommandieren mehrerer Divisionen auf gigantischen Karten von bis zu zehn Quadratkilometern erfordert schon einiges an Routine, will man nicht völlig den Überblick verlieren (Bild unten: Bajonettangriff eines konföderierten Regiments).



    Die Steuerung wurde seit Erscheinen des ersten Titels nicht verändert. Sie ist zwar funktional, aber sicher auch kein Glanzstück des Strategiespiel Genres. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, warum man während des Pausierens keine Befehle geben kann. Insbesonders auf Korpsebene wäre dies eine wünschenswerte Funktion. Sofern man nicht vor hat, jedes einzelne Regiment selbst zu steuern, übernimmt die Feinarbeit der jeweilige Brigadekommandeur. Hier helfen sieben Grundbefehle wie offensives Verhalten oder Halten um jeden Preis. Obwohl dies ganz gut funktioniert, rauft man sich dennoch einige male die Haare in Anbetracht der Befehle, welche die Herren Untergebenen so herausgeben. Stetiges eingreifen in die Schlachtordnung ist erforderlich. Grundsätzlich schwenken die Regimenter für meinen Geschmack auch etwas zu viel herum. Hier sollten die Entwickler beim nächsten Release etwas Nacharbeit leisten (Bild unten: Die Yanks stellen sich zum Kampf. Schnell einige Geschütze in Stellung ziehen. Ideale Schussposition).



    Die Grafik wurde nur geringfügig verbessert. Alles in Allem ist sie schon stimmig und ok. Die Geräuschkulisse trägt gut zur Atmosphäre bei. Eine Kleinigkeit stört mich jedoch. Mir würde es besser gefallen, wenn die ersten ein oder zwei Salven eines Regiments eben auch als solche geschossen würden. Die Feueranimationen sehen immer nach "Feuern ohne Kommando" aus. Ja, nennt mich pedantisch (Bild unten: Die ersten Yankies geben Fersengeld, als Robert E. Rodes Division durch den Wald bricht).



    Die Gefechtsdarstellungen suchen allerdings ihresgleichen. Sicher, "Empire-Total War" sieht unter Umständen etwas schicker aus, aber erst Scourge of War lässt die Herzen echter Schreibtischgeneräle höher schlagen. Zumal man hier auch wirklich Zeit zum manövrieren hat und Feuerwechsel auch nicht nach einer halben Minute enden. Aber selbst das Zeitlimit von einer oder zwei Stunden lässt kaum Zeit zum verschnaufen. Die fehlende Funktion, auch bei einer Spielpause Befehle geben zu können, wirkt sich hier natürlich auch nicht nervenschonend aus.

    Aber manchmal kann man einfach auch nicht anders, als höchstpersönlich eine Batterie 12 Pfünder bis auf 200 Yards an die feindlichen Linien heranzufahren um dann mit Kartäschen Löcher in die feindlichen Reihen zu schiessen. Das ist wirklich Grosses Kino und kein übliches RTS Kinderspiel-Allerlei (Bild unten: Ein feindlicher Depeschenreiter wurde abgefangen. Die Unionstruppen geraten in Panik).



    Fazit: Für Spieler, die bislang nicht die "Scourge of War" Serie gespielt haben, ein weiterer Anlass, einen Blick zu riskieren. Ihr werdet es nicht bereuen. Für Fans und Veteranen der Serie stellt sich die Frage des Kaufes wahrscheinlich erst garnicht. Diese kaufen die Erweiterung sowieso. Für eine Detailwertung verweise ich auf Tribuns Scourge of War - Gettysburg Review. Einen Punkt Abzug für das fehlen einer Kampagnenkarte. Zwei Punkte Aufschlag für die gelungene Fortführung der Serie. Tolles Spiel mit weiterhin Luft nach oben.

    Für einen Preis von 34,- Euro (Boxversion) bekommt man einge Menge Unterhaltung, keine Frage (Die Downloadversion schlägt mit 31,- Euro zu Buche. Lohnt also kaum, da die Boxversion auch einen sofortigen Download beinhaltet). Den Multiplayerpart mit insgesamt fünf Multiplayerkarten habe ich nicht ausprobiert.
    Vermisst wird eigentlich nur die fehlende Kampagnenkarte und die Möglichkeit, Befehle während pausierten Spiel zu geben. Für zukünftige Releases würde ich mir auch eine verknüpfte Kampagne wünschen, bei der die Verluste der jeweils vorangegangenen Schlacht berücksichtigt werden.

    Gesamtwertung: 83%


    Scourge of War - Chancellorsville ist unter anderem erhältlich bei -> Matrix Games <-



    Testsystem: Intel core i5 - 8GB Ram - GTX560 - Auflösung 1920 x 1080 ->Folgt uns auf Twitter<- ->Besucht uns auf Facebook<-



    Kommentare 9 Kommentare
    1. Avatar von Pulk.
      Pulk. -
      Die Bilder sehen geil aus. Was mir auffällt ist, das bei den Screens auf der Produktseite die Südstaatler verschiedene Klamotten und Mützen anhaben aber hier alle wie geklont aussehen. Gibt es da Mods oder warum ist das so?
    1. Avatar von Tribun76
      Tribun76 -
      Ach herrje, ich bekomm derzeit auch gar nichts mehr mit. Sieht sehr cool aus. Kann man auch Jacksons ganzes Korps nehmen und den Marsch durch den Wald machen? Die 20 Meilen?
    1. Avatar von Vasquez
      Vasquez -
      @ Pulk. Gute Frage, hast aber recht. Müsste man mal in Erfahrung bringen.

      @ TribOOn. Jau =) Die Screens drei bis sechs sind daraus. Die Karte ist gigantisch und die Einheiten anfangs extrem weit auseinander gezogen. Die hälfte meiner Aritillerie brauchte eine halbe Stunde bis sie an der "Front" waren ..
    1. Avatar von Bronko1940
      Bronko1940 -
      @Pulk, das ist eine Optionseinstellung im Spiel. Die Uniformeinstellung muss man auf "Best" stellen, dann gibt es mehr Farbenfrohheit, Lumpen, verschiedenen Hüte etc. Besonders bei den Rebs eigentlich unabdingbar.
    1. Avatar von Vasquez
      Vasquez -
      In der Tat.. Danke für die Info Bronko. Sieht dann in der Tat noch geiler aus. Dixie ftw =)
    1. Avatar von Tribun76
      Tribun76 -
      Einen Blick werde ich mal riskieren. Denn in all den Jahren gab es kein PC-Spiel, das die Schlacht von Chancellorsville halbwegs den historischen Tatsachen entsprechend umsetzen konnte. Kein Wunder, ging Jacksons Flankenmanöver nicht nur in die Militärgeschichte ein, sondern es ist auch außerordentlich schwierig zu simulieren. Wie sagt man der KI, dass sie nicht bemerken soll, dass rund 25.000 Mann an ihrer rechten Flanke weit ausholen und anschließend dem XI. US-Korps voll in die Seite knallen sollen? Chancellorsville ist eine der komplexesten Schlachten des Amerikanischen Bürgerkriegs. Hut ab, dass sie sich mit einem Spiel da ran gewagt haben!
    1. Avatar von Vasquez
      Vasquez -
      Hier hat NorbSoftDev eine Kampagenkarte nachgereicht. Der berühmte Angriff von Jacksons Korps ist die Schlacht No. 6, als er die Yanks südlich umging und dann von hinten aufrollte:

      Anhang 775
    1. Avatar von Tribun76
      Tribun76 -
      Ah! Sehe ich das richtig, dass die Parallelhandlung in Fredericksburg auch spielbar ist? Lee hatte seine Armee ja sogar in drei Einheiten aufgeteilt. Jacksons Angriffstruppe, seine eigenen 20.000 Mann, die die Mitte hielten und nochmal etwas über 15.000 Mann, die weiter östlich vor Fredericksburg Maryes Heights verteidigten. Dort wurde im Grunde die Schlacht vom Dezember 1862 wiederholt, nur dass die Konföderierten hier gleich beim zweiten Sturm der Union aus ihren Stellungen vertrieben wurden. Ich bin begeistert!!
    1. Avatar von Wenck
      Wenck -
      Kleine Info: Installiert man Chancelorsville als Stand-alone (ohne Gettysburg), hat man die Kampagnenkarte im Spiel. Als Add-On fuktioniert es nicht.
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